Ich arbeite an folgenden Themen - These are the themes I'm currently working on

Gerne gebe ich genauere Auskunft zum Stand meiner Forschung dazu. - I'm happy to tell you more on my research on request.

Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit - sustainability and justice

Nachhaltigkeit in einem weiten Sinne besteht darin, nachfolgenden Generationen ebenso wie der jetzigen Generation die Möglichkeit zu sichern, ihre Bedürfnisse zu befriedigen (siehe Brundtland-Bericht). Der Diskussion um einen solchen breiten Nachhaltigkeitsbegriff fehlt bislang jedoch eine konzeptionelle Grundlage. Der Capability-Ansatz bietet sich dafür an, wurde allerdings noch kaum in diesem Zusammenhang genutzt. Das Projekt GeNECA (Gerechte Nachhaltige Entwicklung auf der Grundlage des Capability Ansatzes) erarbeitet eine solche Konzeption, operationalisiert sie in Form von Indikatoren und überprüft ihre Tragfähigkeit in Fallstudien. Hier eine Kurzbeschreibung des Projektes.

Sustainability in a broad sense means to enable future as well as the current generation to satisfy their needs (Brundtland-report). However, on the one hand side the theoretical foundation of such a broad understanding of sustainability is still lacking. On the other hand side the capability approach could lend itself for this task but hasn't been  used much in this context. The project GeNECA conceptualizes fair sustainable development on the basis of the Capability Approach and tests the conception in two ways: First a set of indicators for sustainable human development is proposed and second the conception is used in case studies of political decision processes. Follow the link for more information.

Kinderarmut aus Sicht des Capability Ansatzes – Child Poverty in a Capability Perspective

Die alarmierenden Zahlen zur Kinderarmut beziehen sich meist auf den Anteil von Kindern, die in einkommensarmen Haushalten leben. Stattdessen wäre es interessanter, zu erfahren, wie Kinder leben. Der Capability Ansatz fragt, was Menschen tun und sind, was sie tun und sein können. Kindern jedoch schreibt er dieses Potential nur für die Zukunft als Erwachsene zu. Insofern bietet sich der CA einerseits als Ansatz zur direkten Armutsmessung bei Kindern an, andererseits muss er auf die Situation von Kindern angepasst werden.

Child poverty is mostly measured as the share of children living in income-poor households. It would be far more interesting to know how children live. The Capability Approach looks at the doings and beings of people (their functionings) and what they can do and be (their capabilities). However, the CA suggests focusing on functionings in the case of children. Thus, the CA lends itself to measuring child poverty in so far as it looks directly at their lives, but it has to be amended in order to be really applicable to children.

Arbeit und das gute Leben – Work and the Good Life

Leben wir, um zu arbeiten, oder arbeiten wir, um zu leben? Arbeit ist ein Teil unseres Lebens, der oft nur unzureichend erfasst ist. Viele Arbeiten werden nicht als solche gezählt, weil sie nicht bezahlt werden (Haushaltsführung, Kinderbetreuung, ehrenamtliche Tätigkeiten). In der traditionellen Wohlfahrtsökonomie ist Arbeit vor allem eine Last, welche die Wohlfahrt des Einzelnen beeinträchtigt. Im Capability Ansatz lässt sich Arbeit als konstitutiver Bestandteil des guten Lebens fassen, der im Zusammenspiel mit anderen Lebensumständen das Wohlergehen beeinflusst. (link: SASE-CfP)

What is the relationship between life and work? Work is a part of our life that receives only partial recognition. Some types of work are not counted as such since they are not paid (housekeeping, care, voluntary work). Traditional welfare economics views work first of all as a burden with a negative impact on individual welfare. The Capability Approach allows us to define work as constitutive for a good life. Working affects our well-being in combination with other functionings. (link: SASE-CfP)


Dynamik von Verwirklichungschancen - dynamics of capabilities

Der Capability-Ansatz von Sen in seiner aktuellen Fassung verwendet ein komparativ-statisches Modell, stellt aber zugleich die Wahlfreiheit  von Personen - und damit einen Prozess - in den Mittelpunkt. Das Modell wird dem Prozesscharakter von Entscheidungen nicht gerecht und ist auf die Betrachtung des Wahlverhaltens zu einem Zeitpunkt beschränkt. Durch die Verknüpfung der Auswahl von heute mit den Wahlmöglichkeiten von morgen lässt sich diese Spannung auflösen. Die Fähigkeit auszuwählen wird in einem dynamischen Ansatz der Verwirklichungschancen nicht einfach als gegeben vorausgesetzt, sondern ihre Entstehung analysiert.

Sen's capability approach in its current version is essentially static. In contrast to its static nature the approach emphasises  the process-character of freedom of choice. The modell stops short of linking current choices (from a capability set) to future options (future capability sets). However, drawing this intertemporal link  between today's choice and tomorrow's capability set allows to analyse how people learn to choose (instead of taking this ability for granted).

Zum Zusammenspiel der Dimensionen bei multidimensionalen Armutsmaßen - on the interplay of dimensions in multidimensional poverty measures

Armutsmessung umfasst im Allgemeinen zwei Schritte: die Identifikation der Armen anhand einer Armutsgrenze und die Auswahl eines Armutsmaßes, das die Armut in einer Gesellschaft zusammenfasst. Bei multidimensionaler Armutsmaßen müssen zusätzlich die Dimensionen zusammengefasst werden. Dies ist allerdings kein eigenständiger dritter Schritt, sondern wirkt sich auch auf die Identifikation der Armen aus: Reicht die Benachteiligung in einer Dimension aus, um zu den Armen zu zählen, oder bedarf es der multiplen Benachteiligung in allen Dimensionen? Während in der Praxis einiges für den Mittelweg spricht (Benachteiligung in mehr als einer aber weniger als allen Dimensionen), stellt sich theoretisch die Frage, ob multiple Benachteiligung tatsächlich schlimmere Armut bedeutet als die Benachteiligung in nur einer Dimension.

Poverty measurement usually comprises two steps: identification of the poor with the help of a poverty line and aggregation of individual poverty with the help of a poverty measure. Multidimensionality adds the task of aggregating poverty across dimensions. This is, however, not a step of its own, but rather intermingles with the task of identifying the poor. Are only those to be counted as poor whose achievements are below the poverty lines in all dimensions? Or should we consider everybody as poor who fails in at least one dimension? Counting deprivations instead looks like a good compromise and has many merits in pratical applications. But whether poverty really aggravates with each added deprivation is an open theoretical question. 

Erfassung individueller Verwirklichungschancen - assessing individual capability

Die meisten empirischen Studien zum Capability-Ansatz verwenden Daten, die in einem anderen Zusammenhang erhoben wurden. Der Frage, wie sich Verwirklichungschancen erfassen lassen, widmen sich erst wenige Studien. Für quantitative Primärstudien ist es nötig, Fragen auszusuchen, auszuprobieren und ihre Tauglichkeit zu überprüfen. In qualitativen Studien muss der Blick ausgeweitet werden auf die Frage des Handlungsspielraums. Zudem fragt sich, welche Lebensaußerungen neben sprachlichen in die Analyse einbezogen werden können und sollen.

Most empirical studies that apply  the capability approach use secondary data. There are only a few studies that try to assess a person's capability. There is much work to be done concerning which questions evoke best information on capabilities. Further, qualitative empirical studies may be helpful in this endeavour as well. Finally, relevant  information may not always take the form of language.